Gewinner 2018

Forschungspreis 2018 für Grundlagenforschung I

Luxus

Prof. Dr. Lambert Wiesing, FSU Jena

In der Regel wird Luxus aus moralischen Gründen verworfen oder aus ökonomischen Gründen verteidigt. Die Frage ist nur: Wissen die Kritiker und Befürworter des Luxus, was Luxus ist? Diese entscheidende und grundlegende Frage spielte bisher weder in der Philosophie noch in der Soziologie eine Rolle.

Das Projekt zum Luxus hat somit Neuland betreten, um sich erstmals dem interdisziplinären Thema Luxus rein deskriptiv – ausschließlich phänomenologisch – zuzuwenden und die Gründe zu bestimmen, warum und wann eine Sache oder eine Handlung für jemanden „Luxus“ ist. Die Forschungen führten zu dem Ergebnis, dass Luxus keine messbare Eigenschaft von Dingen oder Handlungen sein kann. Luxus lässt sich weder naturwissenschaftlich noch psychologisch bestimmen. Denn zu Luxus wird etwas aufgrund einer „privaten ästhetischen Erfahrung“.


Forschungspreis 2018 für Grundlagenforschung II

Nothobranchius furzeri: ein innovatives Modell für die Alternsforschung

Dr. Alessandro Cellerino, Prof. Dr. Christoph Englert, Dr. Matthias Platzer, Dr. Bryan R. Downie, Dr. Nils Hartmann, Dr. Philipp Koch, Dr. Andreas Petzold, Dr. Kathrin Reichwald, Leibniz Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut Jena

Bei der Alternsforschung stellt sich die Frage nach geeigneten Modellorganismen. Bis dato etablierte Tiermodelle wie Fadenwurm, Zebrafisch oder Maus sind entweder als Wirbellose dem Menschen physiologisch und genetisch nicht sehr ähnlich oder haben eine verhältnismäßig lange Lebensspanne. Anders der Türkise Prachtgrundkärpfling aus der südostafrikanischen Savanne. Er lebt selbst unter optimalen Haltungsbedingungen nur vier bis zwölf Monate und altert dabei rasend schnell. Als Wirbeltier laufen Alternsprozesse bei ihm sehr ähnlich ab wie beim Menschen – nur wie im Zeitraffer. Mit der Entzifferung und Analyse des Fisch-Genoms etablierte das Team ein innovatives Alternsmodell in der biomedizinischen Forschung und eröffnete neue Möglichkeiten für die Suche nach den molekularen Grundlagen des Alterns bei Wirbeltieren.


Forschungspreis 2018 für Angewandte Forschung

Präzises Kalibriersystem für Mikro- und Nanokraftsensoren

Prof. Dr.‐Ing. Thomas Fröhlich, apl. Prof. Dr.‐Ing. Roland Füßl, Dr.‐Ing. Michael Kühnel, Dipl‐Ing. Gunter Krapf, Dr.‐Ing. Falko Hilbrunner, Dr.‐Ing. Jan Schleichert, TU Ilmenau

Neue hochpräzise Kraftkalibriergeräte ermöglichen es, mikroskopisch kleine Kraftsensoren, wie Cantilever von Raster-Kraft-Mikroskopen, mit Kräften im Bereich weniger Nanonewton bei gleichzeitig sehr kleinen Messunsicherheiten zu kalibrieren. Herzstück der neuen Kalibriergeräte sind dabei hochpräzise Kraftmess-Systeme nach dem Prinzip der elektromagnetischen Kraftkompensation. In Verbindung mit einer speziell entwickelten digitalen Regelung der Kraftmessung sowie der Verwendung von Interferometern zur Messung der Verformung der Cantilever konnte die Genauigkeit der Kalibrierungen deutlich verbessert werden. Die Verwendung solch exakt kalibrierter Mikrokraftsensoren gewinnt in der Medizin, Biologie, Biophysik und in den Materialwissenschaften zunehmend an Bedeutung. So werden beispielsweise kalibrierte Mikrokraftsensoren in der Krebsforschung eingesetzt, um nanomechanische Eigenschaften kranker Zellen zu untersuchen.